Wie ein Land in 12 Jahren CO2-neutral wird. Dargestellt am Beispiel der Schweiz

Durch die weltweite Verbreitung von Systemen zur Biopyrolyse im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit zwischen Industrienationen und Schwellen- sowie Entwicklungsländern können erstere – auch wenn sie selbst nur über verhältnismässig wenig Biomasse verfügen – ohne extreme Drosselung ihrer CO2-Emissionen klimaneutral werden. Und dies erst noch in bedeutend kürzerer Zeit als dies das Pariser Klimaabkommen vorsieht. Wenn zum Beispiel die Schweiz die Gelder, die sie heute schon unter dem Titel des Klimaschutzes einkassiert, in ein entsprechendes Projekt statt in diffuse Aktivitäten zur CO2-Vermeidung stecken würde, so wäre das Land innerhalb von nur 12 Jahren CO2- bzw. klimaneutral.

Mit den bereits verfügbaren „Klima-Abgaben“…

Die Schweiz unterstützte die internationalen Klimaschutz-Bestrebungen bereits im Jahre 2014 mit 300 Millionen CHF aus öffentlichen und 100 Millionen CHF aus privaten Quellen. Diese Mittel werden heute nicht etwa für die direkte und nachweisbare Reduktion der CO-2-Fracht eingesetzt – wie dies das CO-2-Recycling bewirken würde – sondern für diffuse Vermeidungs-Strategien, deren unmittelbare Wirkung auf die CO-2-Belastung der Atmosphäre nicht nachgewiesen ist.

Soweit die entsprechenden Mittel – deren Volumen bis 2020 auf ein Niveau von 450 bis 600 Millionen Dollar pro Jahr aufgestockt werden soll – in Entwicklungsländer fliessen, ist die Gefahr zudem gross, dass diese teilweise in den Taschen korrupter Entscheidungsträger verschwinden, für nicht zielführende Prestigeprojekte verpulvert werden oder in einer ineffizienten Administration versickern. Dies kann letztlich bis zu kontraproduktiven Effekten in dem Sinne führen, dass wirklich sinnvolle Massnahmen behindert statt gefördert werden.

Wenn nun die Schweiz stattdessen Jahr für Jahr rund 400 Millionen CHF in einfache Anlagen zur Produktion von Biokohle investieren würde, so könnte damit innerhalb von 12 Jahren eine Jahresfracht von 48 Millionen Tonnen CO-2 vollständig kompensiert werden. Diese 48 Millionen Tonnen entsprechen der Menge CO-2, die heute in der Schweiz Jahr für Jahr in die Atmosphäre verpufft werden.

Was konkret bedeutet, dass die Schweiz innerhalb von 12 Jahren den Status einer kompletten CO-2-Neutralität erreichen kann, wenn sie hier die richtigen Akzente setzt. Und dies, ohne dass sie zur Erreichung dieser Zielsetzung bloss einen Franken mehr aufwenden müsste, als sie dies heute schon tut. Damit wäre denn auch das heute herumgeisternde Schreckgespenst eines Fasses ohne Boden für die Verbraucher fossiler Energieträger vom Tisch.

… lassen sich die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens erfüllen …

Und damit wären zugleich die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens erreicht, welche heute von Experten schon als völlig unerreichbar bezeichnet werden. Und dies erst noch mit der Aussicht, dabei die engere der beiden ins Auge gefassten Klimaerwärmungs-Vorgaben von lediglich 1,5° Celsius – bzw. die dieser zugrunde gelegte Berechnung des Volumens an CO2-Freisetzung – erfüllen zu können, die derzeit noch als völlig unrealistisch gilt. Was wiederum konkret bedeutet, dass die Ziele des Klimaabkommens von Paris und Marrakesch mit der richtigen Strategie nicht nur prinzipiell erreicht, sondern auch finanziert werden können.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Verrechnung der CO-2-Gutschriften direkt oder über den Zertifikatsweg erfolgt: Im einen wie im anderen Falle wird der Nutzwert der Investitionen nachgewiesen werden können. Und im einen wie im anderen Falle lässt sich die Zielsetzung mit einfachsten administrativen Mitteln – nämlich auf der Basis des Importverkehrs, wie dies heute schon mit den Abgaben auf fossile Energieträger geschieht – statt mit einem Heer von Behördenvertretern und Kontrollbeamten erreichen.

Zugleich bedeutet dies, dass das Land auch auf harte Zwangsmassnahmen zur Reduktion von CO-2-Freisetzungen verzichten und die Entwicklung des Energiemarktes den Marktkräften und der energietechnischen Innovation überlassen kann. Was im Falle der Schweiz in praxi bedeutet, dass sie auf die administrative Umsetzung der Energiestrategie 2050 und der stringenten CO-2-Bestimmungen mit ihrem dichten Geflecht an regulatorischen Massnahmen verzichten kann. Einzig das Instrument der CO-2-Zertifikate müsste in modifizierter Form übernommen werden.

Ausserdem können die über die CO-2-Kompensation laufenden Investitionen der Entwicklungshilfe zugeschlagen werden. Mehr noch: Dank der mit dem Einsatz der Technologie verbundenen Nutzung der Biokohle zur nachhaltigen Verbesserung der agrarwirtschaftlichen Erträge auf natürlicher biologischer Basis in der 3. Welt kann auch hier der Sekundärnutzen erfasst und dargestellt werden – auch wertmässig, was der Entwicklungshilfe letztlich zu ganz neuen Impulsen in Sachen Effizienz und Resultatorientierung verhelfen könnte.

Demgegenüber vertritt das Hilfswerk Caritas Schweiz die Meinung, dass die Nation mindestens eine Milliarde CHF jährlich zur „Finanzierung des Klimaschutzes in den Entwicklungsländern“ beitragen sollte und dass diese Mittel nicht die Konten der Entwicklungszusammenarbeit belasten sollten. Das ist in Anbetracht der in diesem Thesenpapier vorgebrachten Sachverhalte total verkehrt. Denn was kann es Besseres geben, als die Entwicklungsländer ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten zu lassen, diesen mit einem effizienten Entwicklungs-Support zu verbinden und die für das Weltklima erbrachten Leistungen angemessen zu honorieren? Das ist ergebnisorientierte Entwicklungskooperation auf Augenhöhe – und zwar nicht nur verbal, sondern echt.

… und weltweit auch die Ziele einer naturnahen und ertragreichen Agrarwirtschaft erreichen.

Selbstverständlich lassen sich diese Kalkulationen nicht nur für die Schweiz, sondern – dank des auf der Basis des Pariser Klimaabkommens in Vorbereitung stehenden Modells für Kompensationszahlungen der Industrie- und Schwellenländer nach Massgabe ihres Verbrauchs von fossilen Energieträgern – weltweit zur Anwendung bringen. Nach einer Initialisierung über die Schweiz könnte das Modell somit als international praktizierbare Universallösung etabliert werden. Dies umso mehr, als das hier skizzierte Procedere nicht auf einen internationalen Konsens angewiesen ist, sondern von jeder Nation einzeln umgesetzt werden kann.

So beispielsweise in Deutschland, wo ein Ausstieg aus der Förderung und Verstromung von Kohle geplant wird, was Kostenfolgen von rund 40 bis 50 Milliarden Euro nach sich ziehen dürfte. Mit dem gleichen Finanzierungsmodell und unter Einsatz dieses Betrags könnte auch Deutschland innerhalb von rund 15 Jahren zu einer vollständigen Kohlenstoffdioxid-Kompensation im Sinne des Pariser Klimaabkommens gelangen – ebenfalls erheblich früher als dieses die Erfüllung der entsprechenden Forderungen vorsieht.

Die Gesamtbilanz lässt sich umso besser an, als die Agrarwirtschaft in jenen Ländern, die sich auf eine Kooperation im hier skizzierten Sinne einlassen, auf eine biologische und ertragreiche Basis gestellt werden kann, wie sie sowohl die FAO wie auch die UNO fordern und unterstützen. Daneben wird mit der Biokohle nicht nur ein ausgezeichnetes Mittel für Bodenverbesserung und Mineralstoff-Düngung geschaffen, sondern auch eine natürliche Substanz mit einer grossen Applikationsvielfalt in den Bereichen der Hygiene, des Umweltschutzes, der Bauwirtschaft und nicht zuletzt auch der Ernährungsphysiologie und der Medizin.