Die „Langfristige Klimastrategie der Schweiz“ – ein Luftschloss für den Bundesrat und eine Giftwolke für die Nation

Mit seiner Ende Januar 2021 aufgelegten „Langfristigen Klimastrategie der Schweiz“ setzt der Bundesrat sein Bestreben fort, das Land in eine „dekarbonisierte“ Zukunft zu führen. Dabei gibt er vor, die Ziele des Pariser Klimaabkommens durch eine Massnahmen-Stringenz erfüllen zu wollen, von der sich mittlerweile selbst der Weltklimarat verabschiedet hat. Ausserdem steht die in ihrer Vorschriften-Dichte an die Kriegswirtschaft aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts gemahnende Strategie nicht etwa im harmonischen Einklang, sondern in wesentlichen Punkten im schroffen Widerspruch zum genannten Klimaabkommen. Unbeholfen ist zugleich der Versuch des Bundesrats, in diesem Paper die ökonomische Sinnhaftigkeit der geplanten Massnahmen in einem Nutzen/Schaden-Bild darzustellen. Dieses zeigt lediglich, dass die Bestrebungen zur Vermeidung einer supponierten klimatischen in eine reale wirtschaftliche Katastrophe führen würden. Und dies, ohne dass die damit anvisierten CO2-Reduktionsziele auch tatsächlich erreicht werden können. Erreichen liessen sich diese dagegen mit einer Technologie, deren Ausbau und Implementierung lediglich einen winzigen Bruchteil der geplanten Gesamtinvestitionen von 1´400 Milliarden CHF erfordern würden. Das aber der Bundesrat, das zuständige Departement und die Klima-Aktivisten fürchten wie der Teufel das Weihwasser – vor allem deshalb, weil dadurch auf die ganze unter dem Titel des Klimaschutzes losgetretene Massnahmen-Lawine mit ihren unabsehbaren Folgekosten und ihren irrwitzigen Kollateralschäden – und vor allem auch auf die mit deren Umsetzung verbundene Machtfülle für die Exekutivorgane – verzichtet werden könnte.

Die Schweiz soll bis 2050 unter dem Strich keine Treibhausgase mehr ausstossen. Dieses Netto-Null-Ziel hat der Bundesrat in seiner „Langfristigen Klimastrategie“ präzisiert und konkretisiert, die er im Januar 2021 verabschiedete. Dem entsprechenden Konzept stellt er die Bemerkung voran, dass seine Strategie an die „Massnahmen und Ziele des revidierten CO2-Gesetzes“ anknüpfe, welches für die Erreichung des Netto-Null-Ziels von zentraler Bedeutung sei. Damit setzt die schweizerische Landesregierung jene Planung fort, von der sogenannt böse Mäuler sagen, es handle sich lediglich um den „Ersatz des Zufalls durch den Irrtum“. Was keineswegs übertrieben scheint. Warum?

In seiner Klimastrategie hält der der Bundesrat am Glauben bzw. an der Fiktion fest, dass die im Pariser Klimaabkommen festgelegten Klimaziele ausschliesslich durch einen Totalverzicht auf die Nutzung fossiler Energieträger zu erreichen seien. Dies widerspricht nicht nur den Tatsachen, sondern in wesentlichen Aspekten auch dem Geist des Pariser Klimaabkommens. Denn die These der schweizerischen Landesregierung ist gleich in dreifachem Sinne falsch:

Erstens, weil seit langer Zeit eine Technologie verfügbar ist, mit deren Hilfe nicht nur der von fossilen Brenn- und Treibstoffen verursachte CO2-Ausstoss kompensiert, sondern auch der in der Atmosphäre enthaltene CO2-Überschuss nach und nach abgebaut werden kann. Zweitens, weil das überschüssige CO2 in der Atmosphäre zu rund einem Drittel nicht auf die Nutzung fossiler Energieträger zurückgeht, sondern durch die Intensivlandwirtschaft verursacht wird, unter deren Einfluss laufend grosse Mengen Kohlenstoff aus den Äckern in die Atmosphäre gelangen. Auch ein Totalverzicht auf fossile Brenn- und Treibstoffe vermag somit das CO2-Problem nicht zu lösen. Und drittens, weil das Pariser Klimaabkommen festhält, dass die Lebensmittelproduktion nicht gefährdet werden dürfe und dass die Umsetzung des Abkommens auch dem Kampf gegen die Armut zu dienen habe.

Demgegenüber strebt der Bundesrat unbeirrt eine Senkung der schweizerischen CO2-Emissionen auf Netto-Null bis zum Jahr 2050 an. Dies im angeblichen Einklang mit den wissenschaftlichen Arbeiten des Weltklimarats, die eine Senkung der Treibhausgas-Emissionen auf Netto-Null bis zur Mitte des Jahrhunderts erforderten und wie sie im Pariser Klimaabkommen verankert seien. Diese Interpretation mag anlässlich des Pariser Klimagipfels und kurz danach noch aktuell gewesen sein – heute indessen ist sie Schnee von gestern. Denn:

Reichlich spät, aber immerhin hat der Weltklimarat inzwischen realisiert, dass ein Totalverzicht auf die Nutzung fossiler Energiequellen innerhalb von drei Dezennien unrealistisch sein dürfte. In seinen jüngsten Publikationen spricht er deshalb davon, dass das Netto-Null-Ziel zumindest teilweise nur durch „Negativ-Emissionen“ erreicht werden könne. Was aber sind „Negativ-Emissionen“? Mit diesem sonderbaren Begriff, der eigentlich eine „contradictio in adjecto“ darstellt und aus semantischer Sicht ziemlich schwachsinnig anmutet, soll offensichtlich in sprachkosmetischer Aufhübschung zum Ausdruck gebracht werden, dass es sich hier um eine Rückgewinnung von CO2 aus der Atmosphäre handelt – bloss dass man dies nicht gleich so offen darlegen möchte.

Mittlerweile ist der Begriff zwar auch beim Bundesrat angekommen – ausgelöst durch einen parlamentarischen Vorstoss, der beim besten Willen nicht mehr ignoriert werden konnte. Prompt fabrizierte das UVEK daraus unter dem Titel „Negativ-Emissionen“ ein Paperchen, in welchem verschiedene Phantasmen über kaum praktikable und wohl ebenso wenig finanzierbare Sequestrierungs-Konzepte für Kohlenstoffdioxid heruntergeleiert werden – so beispielsweise auch das Abscheiden von CO2 aus der Abluft von Verbrennungsprozessen oder das Herausfiltrieren des Kohlenstoffdioxids aus der Umgebungsluft mit der anschliessenden Verpressung in erschöpften Erdöl- oder anderen geologischen Lagerstätten. Verfahren mithin, die unter den Kürzeln BECCS und DACCS als CO2-Sequestrierungsoptionen diskutiert werden. (Siehe dazu auch Appendix A).

Was dabei besonders irritiert: Keinem der angeblich so hoch qualifizierten wissenschaftlichen Mitarbeiter in Bundesdiensten scheint es aufgefallen zu sein, dass es eine an die Grenzen des Erträglichen stossende Schildbürgerei ist, neben einem Teil Kohlenstoff zwei Teile Sauerstoff einzulagern, wenn es zur Kohlenstoff-Sequestrierung einen physikalisch weitaus einfacheren und wirtschaftlicheren Weg gibt. Die Rede ist von der Separierung von Kohlenstoff und Sauerstoff mit dem Mittel der Pyrolyse, welche aus Biomasse neben Prozesswärme reinen Kohlenstoff in der Form von inerter Biokohle produziert.

Biokohle wiederum ist kein Abfall- oder Entsorgungsprodukt – ganz im Gegenteil: Vielmehr handelt es sich um eine äusserst wertvolle natürliche Substanz, deren Applikationsvielfalt vom Dünge- und Bodenverbesserungsmittel über vielfältige Nutzanwendungen in der Bauwirtschaft, der Isolations- und der Umwelttechnik sowie der Hygiene bis hin zu Einsätzen im Hightech-Bereich und zu ernährungsphysiologischen und medizinisch-pharmazeutischen Nutzungsvarianten reicht. In einer Zeit, in welcher immer mehr Leute sich am Gedanken der Kreislaufwirtschaft zu orientieren beginnen – und in welcher sich auch die Politik immer öfter dieses Schlagworts bedient – grenzt es geradezu an Paranoia, diesen äusserst kostbaren Kohlenstoff einfach entsorgen zu wollen. Was umso wahnwitziger anmutet, als gerade in grossen Mengen ausgebrachte Biokohle es ermöglichen würde, die ausgelaugten Böden der Intensivlandwirtschaft auf natürliche und nachhaltige Art zu regenerieren.

Wer über diesen Aspekt leichtfertig hinwegsieht, gibt damit kund, dass er oder sie – wie übrigens auch der Bundesrat und die Mehrzahl der europäischen Regierungen – die Klimavereinbarung von Paris nicht in ihrer ganzen Bandbreite zur Kenntnis genommen und internalisiert hat. Denn bereits aus dem Hauptartikel der Vereinbarung geht hervor, dass die Massnahmen zum Schutz des Klimas nicht auf Kosten der Lebensmittelproduktion gehen dürfen und kompatibel sein müssen mit den Bestrebungen zur Bekämpfung der Armut. Diese Kompatibilität wird nicht erreicht, wenn man den Schwellen- und Entwicklungsländern unter dem Titel der CO2-Vermeidung Technologien aufs Auge drückt, die noch nicht einmal in den Industrieländern voll beherrscht werden. Und sie bleibt erst recht utopisch, wenn diese Länder durch die mit der Proliferation dieser Technologien und mit dem damit angestrebten forcierten Technologiewandel einhergehenden Monopolisierungs- und Zentralisierungstendenzen wieder in die Abhängigkeit und ihre Bevölkerungen in die Armut zurückgedrängt werden.

Dazu gesellt sich noch das bereits erwähnte sekundäre CO2-Problem, welches nach wie vor geflissentlich verdrängt wird: Der Umstand nämlich, dass rund ein Drittel der Überfrachtung der Atmosphäre mit CO2 nicht den fossilen Energieträgern anzulasten ist, sondern eine Folge der landwirtschaftlichen Intensivierung darstellt, durch die laufend grosse Mengen Kohlenstoff aus den bewirtschafteten Feldern in der Form von CO2 freigesetzt werden und in die Atmosphäre gelangen. Als Folge davon werden die Ernährungsgrundlagen einer noch immer wachsenden Weltbevölkerung durch das Auslaugen der Äcker und durch den Verlust ihrer Ertragskraft – Faktoren, die heute schon durch den Einsatz immer grösserer Mengen an nicht ad libitum zur Verfügung stehenden Düngemitteln kompensiert werden müssen – immer stärker gefährdet.

Der Schlüssel zur Lösung aller drei Probleme ist die im Prinzip seit Jahrhunderten bekannte Technik der Biopyrolyse. Mit deren Hilfe lässt sich das CO2-Problem auf ebenso wirtschaftliche wie sozialverträgliche Art und Weise lösen. Zweitens – und letztlich ebenso wichtig – lassen sich mit der Produktion und Ausbringung von Biokohle die ausgelaugten Felder naturnah und biologisch regenerieren und die Ernährungsgrundlagen der Bevölkerung auf Generationen hinaus sichern. Und gleichsam als Sahnehäubchen auf diese an sich schon universelle Strategie wird das Überleben einer kleinräumigen, ertragswirksamen und beschäftigungsintensiven Agrarwirtschaft gesichert, die in der Mehrzahl der Schwellen und Entwicklungsländer nach wie vor das ökonomische Rückgrat bildet und deshalb besonderer Achtsamkeit bedarf – eine Strategie, die auch von der FAO und der UNO als absolut vorrangig betrachtet wird.

Mit ihrer auf den Totalverzicht der Nutzung fossiler Energieträger fokussierte CO2-Gesetzgebung , der Energiestrategie 2050 und der langfristigen Klimastrategie konterkarieren Bundesrat und Ratsmehrheit somit Ziele des Pariser Klimaabkommens, in dessen Sinn und Geist sie zu handeln vorgeben. Ebenso falsch und irreführend ist die schamlose Behauptung, die Schweiz befinde sich mit dieser Politik auf dem Pfad der Solidarität der Industrieländer mit der übrigen Welt. Tatsächlich ist genau das Gegenteil der Fall: Letztlich wird durch diese Politik nicht nur das CO2-Problem nicht gelöst, sondern zugleich die Armut – bei deren Bekämpfung in den letzten Jahrzehnten weltweit beträchtliche Erfolge erzielt werden konnten – verstärkt, ja geradezu gefördert.

Das könnte  ja noch halbwegs entschuldbar sein, wenn das ganze Szenario volks- und sozialwirtschaftlich halbwegs tragbar wäre. Weder das eine noch das andere ist indessen der Fall: Dem sturen Festhalten an der Verzichtspolitik und dem flagranten Ignorieren praktikabler, wirtschafts- und sozialverträglicher Strategien liegt vielmehr das Bestreben zugrunde, die derzeit durch eine irreale und verantwortungslose Geldpolitik schwer kompromittierte Marktwirtschaft durch ein weiteres Experiment in Richtung Planwirtschaft zu ersetzen, welch letztere bislang in all ihren multiplen Facetten grandios gescheitert ist. Bislang konnte niemand eine auch nur halbwegs plausible Erklärung dafür abgeben, weshalb sie ausgerechnet im Bereich der Klimapolitik gelingen sollte.

Und geradezu als Lachnummer oder – je nach mentaler Prädisposition – als Trauerspiel stellen sich die mathematischen Klimmzüge dar, mit welchen die Landesregierung die Bevölkerung von der günstigen Nutzen/Schaden-Relation seines Vorhabens überzeugen will. Wer anhand des Ende Januar 2021 erschienenen bundesrätlichen Papers „Langfristige Klimastrategie der Schweiz“ die dafür massgeblichen Berechnungen nachvollziehen und daraus eine ökonomische Bilanz der ganzen Operation erstellen will, dem offenbart sich folgender Sachverhalt:

Wer die zu erwartenden volkswirtschaftlichen Investitionen, Verluste und Gewinne brav zusammenzählt und sie danach in eine Art Erfolgsbilanz einzubringen sucht, gelangt zum Schluss, dass final die durch einen Verzicht auf die im CO2-Gesetz vorgeschlagenen Massnahmen im Bruttoinlandprodukt einen Verlust von rund 100 Milliarden CHF verursachen, während umgekehrt die Kosten der im Gesetz vorgesehenen Massnahmen sich auf eine Gesamtsumme von 1´400 Milliarden CHF stellen dürften. Was konkret bedeutet, dass 14 Franken für die Vermeidung von 1 Franken Klimaschäden aufzuwenden sind. Fazit: Entweder hat sich da jemand grob verrechnet oder dann bedarf es einer besseren Begründung des Nutzens der geplanten Massnahmen als bloss des Hinweises, dass die Vermeidung einer supponierten Klimakatastrophe der Nation so viel wert sein müsse. Andernfalls gilt für die vorliegende Klimastrategie des Bundesrats die alte lateinische Spruchweisheit: Si tacuisses, Philosophus mansisses. Wenn Du geschwiegen hättest, wärst Du ein Philosoph geblieben.

Stellt man nämlich diesem furchterregenden Gemetzel den Aufwand gegenüber, der für eine vollständige Kompensation des von der Schweiz Jahr für Jahr erzeugten Kohlenstoffdioxids von derzeit ca. 48 Millionen Tonnen mittels Biopyrolyse zu betreiben wäre, so wären dafür lediglich Investitionen in Höhe von 6 bis 9 Milliarden CHF und jährliche Aufwendungen von 300 bis 500 Millionen CHF erforderlich. Dieser Aufwand wäre ohne weiteres verkraftbar – zumal die Schweiz unter dem Titel der CO2-Vermeidung schon heute über 500 Miliionen CHF pro Jahr aufwendet. Und damit wäre erst noch der unbestreitbare Vorteil verbunden, dass die gewählte Technologie dazu beitragen könnte, die gefährdeten Böden der Agrarwirtschaft zu regenerieren und zu renaturieren. Ganz abgesehen davon, dass die Schweiz auf diese Weise auch jene Vorbildfunktion wahrzunehmen vermöchte, von der die Klima-Aktivisten in ihrer verblendeten Sicht auf die realen Sachverhalte stets hinweisen.