Sackgassen des neuen CO2-Gesetzes: Weitere 8 triftige Gründe für mehr Realitätssinn und weniger Reglementierungen in der Klimapolitik

CO2-Sequestrierung: Die ETH auf dem Holzweg

Der Hauptanteil an den CO2-Emissionen geht nicht aufs Konto Stromerzeugung (ca. 27 Prozent), des Verkehrs (ca. 16 Prozent) und der Landwirtschaft (ca. 10 Prozent), sondern vielmehr der Industrieproduktion (Zement, Stahl, Kunststoffe etc., ca. 31 Prozent), wobei Zement an erster Stelle steht. In seinem Buch über die Klimakrise und deren Vermeidung hat Bill Gates zerknirscht festgestellt, dass sich Zement nicht CO2-frei herstellen lässt. Der Verzicht auf fossile Brenn- und Treibstoffe für Heizung, Stromproduktion und Verkehr hilft somit nicht weiter, was „Netto Null“ auf der Emissionsseite schon mal zur Fake-Nummer degradiert. Das ist mittlerweile auch den Dozenten des Instituts für Energie- und Verfahrenstechnik der ETHZ aufgefallen, die in einer Studie allen Ernstes vorschlagen, Biomasse zur Energieerzeugung einzusetzen und von den entstehenden Abgasen das CO2 abzuscheiden und nach der sogenannten CCS-Methode (carbon capture and storage) in erschöpften Lagerstätten einzulagern bzw. zu verpressen. Dass ein derartiger Vorschlag ausgerechnet von der ETH kommt, macht sprachlos. Denn: Wie bescheuert muss man denn sein, Biomasse unter Inkaufnahme von Asche und Feinstaub zu verbrennen, CO2 aus den Abgasen abzutrennen und integral (d.h. 2 Teile Sauerstoff und 1 Teil Kohlenstoff) mit ungewissem Langzeit-Effekt einzulagern, wenn anderseits der Kohlenstoff mit relativ geringem Aufwand vom völlig unproblematischen Sauerstoff separiert und zu vielseitig verwendbaren Wertstoffen verarbeitet werden kann? Wie das geht, ist in einer Studie der beiden britischen Universitäten von Newcastle und Edinburgh nachzulesen, die vor über 10 Jahren erschien und die bestimmt auch irgendwo in der ETH herumliegt. Fazit: Was nach den Vorschlägen der (bestimmt nicht billigen) ETH-Studie eine klimapolitische Fata Morgana bleiben wird, lässt sich mittels modernisierter Biopyrolyse-Verfahren zügig in die Tat umsetzen. Und dies sowohl innerhalb der vom Pariser Klimaabkommen vorgegebenen Deadline wie auch absolut wirtschafts- und sozialverträglich.

Ressourcen- und Kreislaufwirtschaft anstelle von Totalverzicht

Pragmatiker aus den Bereichen der Volks- und Betriebswirtschaft, der Materialwirtschaft, der industriellen Produktion, des Infrastrukturwesens, des Service Public und der Umwelttechnik haben die Begriffe des Ressourcen-Managements und der Kreislaufwirtschaft geprägt. Diese müssten sinngemäss auch bei der CO2-Politik im Vordergrund stehen – und nicht die Radikallösung eines Totalverzichts, wie er heute von einer auf Effekthascherei ausgerichteten Politik beschworen wird. Die beiden Begriffe stehen für eine Wirtschaft, welche die beschränkten Ressourcen nicht nach dem Wegwerfprinzip verbraucht, sondern umsichtig bewirtschaftet. Dieses Prinzip lässt sich auch im CO2- bzw. im Kohlenstoff-Bereich praktizieren: Da sich der durch die Verbrennung fossiler Energieträger in der Form von CO2 in die Atmosphäre entweichende Kohlenstoff mittels moderner Biopyrolyse-Verfahren zurückgewinnen lässt, kann der natürliche Kohlenstoff-Kreislauf geschlossen werden. Das Prinzip der Kreislaufwirtschaft wirkt somit auch hier – und dies erst noch zu interessanten wirtschaftlichen Konditionen. Und mit der Biokohle wird ein neuer, auf einem biologischen Rohmaterial basierender Markt geschaffen, dessen Erzeugnisse bei adäquater Vermarktung über ein hervorragendes Preis/Nutzen-Verhältnis verfügen.

Biokohle hilft dem Klima und sichert die Ernährung!

Mit der Biopyrolyse zur indirekten Rückgewinnung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre werden gleich mehrere brennende weltwirtschaftliche und geophysikalische Probleme auf einmal gelöst: Zunächst das Problem der Erderwärmung, das zumindest zu einem wesentlichen Teil auf die massive Nutzung fossiler Energieträger zurückzuführen sein dürfte. Zweitens die Auslaugung der agrarwirtschaftlich genutzten Böden, die durch die Rückführung des in der Biokohle gespeicherten Kohlenstoffs regeneriert und dadurch als Haupternährungsquellen der Menschheit weiterhin gesichert werden können. Drittens die Filtration der Mikroverunreinigungen in Luft und Wasser, die im Endeffekt auch die Ozeane belasten. Viertens die Erhaltung der kleinstrukturierten Landwirtschaft einschliesslich „urban farming“, die durch den Einsatz von Biokohle auf biologischer Basis ertragreicher gestaltet werden und mehr Menschen Beschäftigung bieten kann. Und fünftens schliesslich die Schaffung eines neuen natürlichen Rohstoffs, welcher sich als Treibriemen für die mittelständische und genossenschaftliche Wirtschaft erweisen kann. Fazit: Es geht hier nicht bloss um die Lösung des CO2-Problems, sondern um die Nutzung einer faszinierenden Gelegenheit für die Vermittlung neuer Impulse und für die Freisetzung neuer Kräfte zur Überwindung der politischen Sklerose zugunsten neuer Zuversicht und eines neuen, positiv geladenen Zukunftsbilds.

Biokohle zur Boden-Dekontamination und zur Trinkwasser-Hygienisierung

Biokohle ist ein unwahrscheinlich vielseitiges und von Grund auf gesundes Naturprodukt, welches nicht nur in einer Vielzahl von Einzel-Anwendungen gute Dienste leistet, sondern mit dem sich auch eine ganze Reihe tiefgreifender Probleme auf einfache und bisweilen auch überraschende Art und Weise lösen lassen. Als pars pro toto sei hier ein Problem angesprochen, welches lange Zeit unter den Teppich gekehrt wurde und das mit der „Trinkwasser-Initiative“ zu einer dramatischen Aktualität gefunden hat. Dabei handelt es sich um die unlängst entdeckte Verunreinigung des Grundwassers durch das Fungizid Cholrothalonil und andere Pestizide. Einmal mehr wird nun versucht, einem Problem politisch beizukommen, welches sich nur auf pragmatische Art analysieren und lösen lässt. Konkret: Ein Subito-Verbot synthetischer Pestizide hilft nicht weiter, denn die Giftstoffe sind über Jahrzehnte in die Böden gelangt und werden über weitere Jahrzehnte nachfliessen, wenn nicht ins Geschehen eingegriffen wird. Auch dafür bietet die Biokohle eine einzigartige Hilfestellung: Als nachhaltiges Bodenverbesserungs- und Mineralstoff-Düngemittel auf die Felder ausgebracht, bindet sie zugleich Giftstoffe aller Art (4 Gramm Biokohle entsprechen in etwa der Oberfläche eines Fussballfelds) und als Filtermaterial in Brunnstuben eingesetzt befreit es das kontaminierte Grundwasser von Mikroverunreinigungen und chemischen Fremdstoffen. Das dazu erforderliche Material kann von der Land- und Forstwirtschaft zu vergleichsweise geringen Kosten selbst hergestellt werden und dient ausserdem der CO2-Neutralisation.

„Re-Karbonisierung“ statt „De-Karbonisierung“ tut not!

Der heute auch in Fachkreisen häufig zu hörende Begriff „De-Karbonisierung“ zeugt nicht etwa von hoher Kompetenz, sondern eher von bedauerlicher Ignoranz. Denn wer mit diesem Begriff um sich wirft, lässt erkennen, dass er oder sie den natürlichen Kohlenstoff-Kreislauf nicht ganz begriffen hat. Darunter befinden sich auch manche „Experten“, die es eigentlich besser wissen müssten. Dieses kognitive Defizit wird unter anderem in einer Studie unter dem Titel „Erneuerbare und CO2-freie Wärmeversorgung Schweiz“ manifest, die die beiden Unternehmungen TEP Energy und ECOPLAN im Auftrag der „Wärmeinitiative Schweiz“ (WIS) erarbeitet haben. Da wird konsequent von Dekarbonisierung gesprochen und umgekehrt der Förderung der Wärmenutzung in der Kehrichtverbrennung und der Unterstützung der Holzheizung das Wort geredet. In beiden Fällen spielt der Kohlenstoff eine zentrale Rolle. Umgekehrt fehlt im entsprechenden Paper jeder Hinweis auf die Biopyrolyse. Und nicht einmal bei der Holznutzung für Wärmezwecke wird daran gedacht, dass unter CO2-Aspekten die biopyrolytische Holzheizung die einzige Technik ist, die noch gefördert und praktiziert werden dürfte. Und zum Kohlenstoff-Kreislauf per se wäre noch anzumerken, dass dieser das Leben auf der Erde erst ermöglicht und dass deshalb „Dekarbonisierung“ nie das Ziel einer umsichtigen, die Gesetze der Natur respektierenden Energiepolitik sein darf. Vielmehr ist bei einer umsichtigen Politik die Re-Karbonisierung von Biomasse ins Auge zu fassen, die eine wirtschafts- und sozialverträgliche CO2-Rezyklierung ermöglicht.

Wenn der Gesetzgeber an der Praxis vorbeiplant…

Bertolt Brecht verdanken wir die bedenkenswerte Metapher „Ja, mach nur einen Plan, sei nur ein grosses Licht, mach dann noch einen zweiten Plan, gehen tun sie beide nicht.“ Gemeint ist damit eine kritische Betrachtung der verbreiteten Auffassung, mit der Ausarbeitung eines Plans auch schon das Problem gelöst zu haben. Häufig genug muss deshalb zur Kenntnis genommen werden, dass die Praxis der Planung keine Folge leistet und dass die Interpretation einer Vorgabe nicht den Vorstellungen und Intentionen entspricht, die deren Autoren vorschwebten. Das ist auch häufig bei Reglementierungen der Fall, deren Vollzug nicht so herauskommt, wie diese gedacht waren. Zu diesen rein praktischen Aspekten gesellen sich häufig noch zwei weitere – nämlich: Ob der Sinn eines Massnahmenbündels für die Betroffenen einsehbar und nachvollziehbar ist. Wenn nicht, ist die Obstruktion praktisch vorprogrammiert. Und weiter: Ob die Präskription auch juristisch einfach umsetzbar ist oder ob dagegen Rechtsmittel ergriffen werden können. Wenn also beispielsweise kollektive und direkt oder indirekt ins Privatrecht eingreifende bauliche Massnahmen wie zur Erstellung einer Fernwärmeversorgung oder einer Tiefenbohrung angesagt sind, so ist häufig lediglich das Papier des Plans geduldig – im Gegensatz zu,,,,,,,,, Betroffenen, die schon mal auf die Barrikaden steigen können. Dazu kommt, dass Gesetze und Reglemente zumeist rückwärtsgewandt sind – also neue Erkenntnisse und Innovationen gar nicht berücksichtigen (können), die sich im Verlaufe einer Arbeit einstellen. Zudem ist oft auch die Zeitachse einer Zielvorgabe viel zu kurz bemessen, was dazu führt, dass die eine oder andere der Massnahmen bereits technisch überholt sein dürfte, wenn sie denn endlich zur Ausführung gelangt. Deshalb gilt: Je stärker und engmaschiger ein Regelwerk die Details festlegt, desto grösser wird die Gefahr kontraproduktivert Kollateralwirkungen und des finalen Scheiterns. Der Volksmund kennt dazu die Metapher: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

Drastische klimapolitische Massnahmen strapazieren die Frustrationstoleranz der Betroffenen

Mit ihren Warnrufen zur Klima-Katastrophe und ihren Dringlichkeits-Appellen zum Subito-Verzicht auf die Nutzung fossiler Energieträger suggerieren manche Klimapolitiker, dass die Menschheit über eine Art klimatische Stellschraube verfüge, mit deren Hilfe sie die Erdwärme steuern könne. Konkret: Man müsse bloss die Freisetzung von CO2 auf netto null zurückdrehen, um den globalen Temperaturanstieg stoppen oder gar rückgängig machen zu können. Das ist natürlich Mumpitz: Niemand vermag exakt vorauszusagen, wie und wie rasch die Natur auf einen Totalverzicht auf die Nutzung fossiler Brenn und Treibstoffe reagieren wird. Dass es extrem lange dauert, bis erste Wirkungen festgestellt und nachgewiesen werden können und dass es reichlich naiv ist, an einen raschen Effekt klimapolitischer Massnahmen zu glauben, ist indessen in Kreisen seriöser Forscher längst bekannt. So haben jüngst drei Wissenschaftler des Center for international Climate Research in Oslo ein vereinfachtes Klimamodell mit den wichtigsten der als klimaverändernd geltenden Einflussfaktoren traktiert und dabei erkannt, dass ein CO2-Stopp frühestens 2035 klimarelevante Wirkungen zeitigen könne. Was bedeutet, dass eine auf energiepolitische Askese eingeschworene Bevölkerung mindestens während 15 Jahren laufend vom Sinn der Massnahmen überzeugt werden muss, bis diese bestenfalls erfahrbar werden. Auch dieser Aspekt spricht letztlich für ein konsequentes CO2-Recycling durch die Re-Karbonisierung von Biomasse, dessen konkreter Nutzen weitaus vielfältiger ist und weitaus rascher sichtbar wird als klimatische Veränderungen. 

Wenn die Umweltverbände mit dem guten Beispiel vorangingen…

Umweltverbände sind Meister in der Bewirtschaftung des schlechten Gewissens all jener, die sich direkt oder indirekt für den Zustand der Umwelt und des Klimas mitverantwortlich fühlen und regelmässig ihren Obolus im Sinne eines Ablasses entrichten. Auf diese Weise werden von manchen dieser Organisationen Jahr für Jahr hohe Summen generiert, die häufig noch durch fette Subventionen und hohe Legate ergänzt werden. Beim WWF Schweiz zum Beispiel beträgt das Jahresbudget derzeit 45 Millionen Franken und bei den drei Grossen der Szene – dem WWF, der Pro Natura und Greenpeace – sind es gesamthaft rund 110 Millionen. Würden nun diese Entitäten, die sich alle auch für den Klimaschutz engagieren, rund 25 Prozent ihrer Betreffnisse direkt in Projekte zur CO2-Kompensation investieren, so liesse sich – ohne Anspruch auf Detailtreue – in etwa die folgende Rechnung anstellen: Mit den 25 Millionen CHF könnten Jahr für Jahr 500 gewerbliche Biopyrolyse-Anlagen mit einem Totalausstoss von 75´000 Tonnen Biokohle und einer Kompensationsleistung von 240´000 Tonnen CO2 in Betrieb gesetzt werden. In 10 Jahren käme somit nach und nach eine Jahresleistung von 2,4 Millionen Tonnen CO2 „Negativemissionen“ zustande. Rechnet man noch die reinvestierten Amortisationsleistungen auf der Grundlage einer „Recycling-Gebühr“ von 15 Rappen pro Liter Heiz- oder Dieselöl bzw. hinzu, so kommt man auf ein Total von 4,5 Millionen Tonnen CO2. Das sind rund 10 % des gesamten jährlichen CO2-Ausstosses unseres Landes. Ausserdem würde diese Aktion zwar einen ordentlichen Kapitaleinsatz, aber nur geringe Kosten verursachen, zumal ja der Substanzwert der Anlagen dank der laufenden Erneuerung erhalten bleibt. Das Rezept: Tun statt fordern.