CO2-Sackgassen des neuen CO2-Gesetzes: Weitere 10 triftige Gründe für mehr Realitätssinn und weniger Reglementierungen in der Klimapolitik

Fördert eine Netto-Null-Politik im Bereich CO2 die schweizerische Innovationskraft?

Seitens der Befürworter des neuen CO2-Gesetzes ist häufig das Argument zu hören, dass eine stringente Energiepolitik mit ihrem starken Druck auf Wirtschaft und Gesellschaft den Erfindungsreichtum beflügeln und der Schweiz zu einer noch besseren Innovationskraft – verbunden mit einer höheren technologischen Kompetitivität auf den Weltmärkten – verhelfen werde. Das hört sich zwar gut an, ist aber leider leeres Geschwätz, wenn man die Behauptung an der gelebten Realität misst. Denn effektiv schreibt das Gesetz zurückliegendes Wissen fest, statt neuen Ideen eine Chance zu geben. Wie könnte es denn sonst sein, dass eine Schlüssel-Innovation, die entscheidend zur Lösung des CO2-Problems beitragen könnte, schlicht ignoriert wird? Genauso wird das Gesetz auch andere innovative Lösungen behindern oder gar verunmöglichen, statt ihnen den Weg in die Zukunft zu ebnen. Und wo anderseits gesetzliche Vorgaben hinführen, die der Innovativität vorauseilen, hat sich sehr deutlich am Beispiel des Diesel-Skandals gezeigt, bei dem die Schuld der Automobilwirtschaft in die Schuhe geschoben statt bei der Politik gesucht wurde und der dazu führte, dass ausgerechnet der Dieselmotor mit seiner besseren CO2-Bilanz diskreditiert wurde.

Pyrolyse- statt Holzverbrennungs-Heizungen im Dienste von Umwelt und Klima

Mit dem Argument der Klima-Neutralität werden derzeit Holzheizungen auf Stückholz-, Grünschnitzel- und Pelletbasis propagiert. Weitaus umsichtiger und nachhaltiger wäre es dagegen, wenn aus dem Holz nicht nur Kraft und Wärme, sondern zugleich Biokohle generiert würde, die nicht nur zu einer besseren Nutzung des Rohstoffs und einer höheren Rentabilität der Forstwirtschaft beitragen, sondern ausserdem und nachhaltig die Bestrebungen zur Senkung des CO2 in der Atmosphäre unterstützen würde. Im Gegensatz zur klassischen Holzheizung ist die Biopyrolyse-Heizung zudem umwelttechnisch unbedenklich. Und die höhere Wirtschaftlichkeit ergibt sich aus dem Verkaufswert der Biokohle und der parallel dazu generierten CO2-Realzertifikate. So betrachtet sind klassische Holzpellets- und Grünschnitzel-Heizungen aus Sicht des heutigen Technologie-Standards reine Ressourcen-Verschwendung.

Realität kontra Wunschdenken

Rund 85 % des weltweiten Energie-Einsatzes basiert auf fossilen Brenn- und Treibstoffen. Und der Markt wächst als Folge der weiteren Industrialisierung nach wie vor – wenn auch dank eines zunehmenden Umwelt-, Klima- und Ressourcenbewusstseins weniger rasant. Aber noch immer gehen – fünf Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen – rund 70 bis 80 % des Zuwachses aufs Konto der fossilen Energieträger. Ein sicheres Indiz dafür, dass die auf einen Totalverzicht auf die weitere Nutzung fossiler Brenn- und Treibstoffe ausgerichtete Strategie, für die bereits irrwitzig hohe Beträge unter dem Titel des Klimaschutzes in den Sand gesetzt wurden, ihre Ziele verfehlen wird. Wer sich nach wie vor der Illusion hingibt, dass die nach höherer Technisierung und Mobilität strebenden Schwellen- und Entwicklungsländer auf die vergleichsweise billigen fossilen Energieträger verzichten und sich nicht leicht beherrschbaren Hochtechnologien zuwenden werden, dürfte ein böses Erwachen erleben. Ebenso jene, die glauben, dass die Erdölförderländer freiwillig auf die Nutzung ihrer Ressourcen verzichten werden.

CO2-Recycling behindert andere energietechnische Innovationen nicht!

Die Rückgewinnung von CO2 aus der Atmosphäre zu vergleichsweise günstigen Konditionen mit dem Mittel der Biopyrolyse sorgt dafür, dass fossile Brennstoffe weiterhin und ohne Klimabelastung genutzt werden können und im Verhältnis zu ihrer hohen Energiedichte kostengünstig bleiben werden. Anderseits behindert die Strategie jedoch weder weitere Innovationen auf energietechnischem Gebiet noch einen sparsameren Umgang mit entsprechenden Ressourcen. Zugleich aber unterwirft sie die Innovativität der ökonomischen Vernunft und der Kostenwahrheit. Und sie hindert ausserdem Einzel- und Spezialinteressen verfolgende Politiker und Pressure Groups daran, den Markt mit unsinnigen Subventionen und sachlich nicht gerechtfertigten Abgaben zu verfälschen. Und schliesslich verhindert sie auch planwirtschaftliche Experimente: Es gibt – obwohl es wider besseres Wissen immer wieder versucht wird – in der Geschichte kaum Strategien dieser Art, die nicht früher oder später im Desaster endeten. Dies in der Regel zulasten der Bürger, die die ungeniessbare Suppe letzten Endes auslöffeln mussten.

Die Flatterstrom-Illusion der Klima-Aktivisten

Seitens der Klima-Aktivisten wird derzeit die Mär verbreitet, dass künftig nahezu der gesamte Strombedarf durch die CO2-freie Solarenergie gedeckt werden könne. Es bleibe dahingestellt, ob dieser Behauptung von Fall zu Fall eine bewusste Irreführung oder ein eklatantes Wissensdefizit zu Gevatter steht. Wenn uns jedoch in den Gazetten Titel und Leads entgegenstarren, wie: „Bis 2035 fliessen Beiträge in Höhe von drei Milliarden an kleine Wasserkraftwerke. Mit dem gleichen Geld liesse sich fast siebenmal mehr Solarstrom produzieren“, so ist dem zu entnehmen, dass der Verfasser wohl die einfachsten Grundsätze einer sicheren Elektrizitätsversorgung nicht begriffen hat. Tatsache ist jedenfalls, dass E-Netz-Spezialisten den maximalen Anteil an sogenanntem Flatter- oder Zappelstrom – d.h. Strom aus unregelmässig fliessenden Quellen wie Photovoltaik- und Windkraft-Anlagen – auf 30 bis 40 % veranschlagen, wenn die Stabilität des Netzes aufrecht erhalten werden soll. Andernfalls sind grossflächige und länger dauernde Blackouts mit ihren unabsehbaren Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft unvermeidlich. Zur Aufrechterhaltung einer kontinuierlichen und sicheren Versorgung mit elektrischer Energie bleiben somit fossile und nukleare Energieträger bis auf weiteres unverzichtbar. Auch hier vermag die Biopyrolyse einen ausgezeichneten Beitrag zu leisten, kann doch insbesondere mit grösseren Anlagen auch elektrische Energie produziert werden. Und mit der Herstellung von Biokohle lässt sich der CO2-Ausstoss aus den mit fossilen Brennstoffen betriebenen E-Werken kompensieren.

Wasserstoff als Energieträger der Zukunft?

Der Einsatz von Wasserstoff wurde schon anlässlich der grossen Erdölkrise ausgiebig diskutiert. Er zählte auch zu den zentralen Themen der Energie-Perspektiven in der Zeit, als der Club of Rome das baldige Ende der fossilen Energieträger voraussagte. Doch dann geriet das Medium bald wieder in Vergessenheit. Nach der Klimakonferenz in Paris besann man sich erneut auf die Option Wasserstoff – zunächst vor allem in Japan und in den USA und dort primär als Intermediär-Medium zur Speicherung überschüssiger elektrischer Energie. Mittlerweile lässt sich „grüner“ Wasserstoff auch aus Klärschlamm und durch die Vergärung organischer Abfälle gewinnen. Der Stoff kann zur Speicherung komprimiert oder kostengünstig und sicher mit dem Trägermaterial Dibenzyltoluol gelagert werden. Im Vergleich zu Diesel-Kraftstoff ist die Herstellung von Wasserstoff jedoch relativ aufwändig. Zugleich sind die Kapazitäten für die Gewinnung von grünem Wasserstoff beschränkt, sodass H2 kaum als Energie-Hauptträger, sondern lediglich als zusätzliche Energiequelle und als Speichermedium in Frage kommt. Für einen wirtschaftlichen Einsatz von Wasserstoff dürfte es jedoch unerlässlich sein, weiterhin auf fossile Energieträger setzen zu können. Ob dies gelingen wird, muss allerdings offen bleiben, denn soeben hat die „pentalaterale“ Energie-Allianz von Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg beschlossen, die Wasserstoff-Wirtschaft zu fördern. Was wohl bedeuten dürfte, dass auch hier anstelle des Marktes die Reglementiersucht und die Subventionitis Platz greifen dürften – mit noch nicht absehbaren, aber kaum positiven Folgen für Bürger und Konsumenten. (Siehe dazu auch Appendix F).

CO2-neutrale fossile Energieträger aus Russland?

Russland zählt nicht nur zu den bedeutendsten Förderländern von Erdöl und Erdgas; das Land verfügt auch über das weltweit mit Abstand grösste Potential an Biomasse. Es wurden deshalb auch schon Überlegungen angestellt, Teile des nahezu unerschöpflichen Biomasse-Potentials für die Herstellung von Prozesswärme und Biokohle zu nutzen, mit letzterer einen dominanten Markt aufzubauen und die mit der Produktion verbundene CO2-Realzertifikate für ein CO2-neutrales Angebot an Erdöl und Erdgas zu nutzen. Die Finanzierung entsprechender Mega-Projekte könnte durch den norwegischen Staatsfonds erfolgen, der aufgrund seiner neuen Anlagebedingungen für ein derartiges Engagement prädestiniert wäre. Russland könnte dadurch nicht nur seine lange vernachlässigten Holzreserven zugunsten seiner Wirtschaftskraft aktivieren, sondern sich zugleich auf dem Markt für fossile Energieträger einen Wettbewerbsvorsprung verschaffen. Für die Schweiz dürfte sich in diesem Falle jedoch die Frage stellen, ob entsprechende Produkte auf ihrem Markt überhaupt verkehrsfähig wären. Was aufgrund der im neuen, retrospektiv angelegten CO2-Gesetz vorgeschriebenen Binnen-Kompensation von CO2 zu verneinen wäre. Ein Beweis mehr dafür, dass dieses Gesetz der Erfüllung der Vorgaben des Pariser Klimaabkommens eher im Wege steht als diese zu ermöglichen.

25 Rappen CO2-Abgabe pro Liter Heizöl sind 10 Rappen zu viel!

Der Bund hat sich zur Diskriminierung der – mit stets höheren Wirkungsgraden arbeitenden –Ölheizungen in Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie in Gewerbe- Verwaltungs- und öffentlichen Betrieben eine als CO2-Abgabe getarnte Sondersteuer auf Heizöl einfallen lassen, die derzeit 25 Rappen pro Liter beträgt. Sie kann laufend erhöht werden, wenn ein willkürlich festgesetztes Volumen von CO2-Freisetzungen im jeweiligen Berichtsjahr nicht unterschritten wird. Das ist insofern ein milder Etikettenschwindel, als die aus der Abgabe resultierenden Mittel nicht für die CO2-Kompensation verwendet, sondern umgelagert oder für diffuse Projektförderungen eingesetzt werden. Und es ist zugleich Abzocke, weil eine CO2-Neutralisation durch Kohlenstoff-Rückgewinnung aus der Atmosphäre mittels Biopyrolyse auf ca. 15 Rappen pro Liter Heizöl zu stehen kommt. Eigentümer und Mieter, deren Objekte mit Öl geheizt werden, werden somit doppelt übers Ohr gehauen: Erstens dadurch, dass eine um 65% zu hohe Abgabe eingefordert wird und zweitens damit, dass diese Abgabe nicht lege artis und deklarationskonform für die Kompensation von CO2 verwendet wird.

Abwrackprämie zugunsten von Elektroautos – ein Schuss in den Ofen!

Um der durch die Corona-Krise gebeutelten Automobilindustrie wieder auf die Beine zu helfen, hat sich die deutsche Bundesregierung eine Art „grüne Abwrackprämie“ einfallen lassen: Wer ein neues Elektroauto kauft, erhält vom Staat eine Teil-Finanzierung zum Nulltarif. Und verschlechtert damit – im Gegensatz zu den Beteuerungen aus Berlin – die CO2-Bilanz. Denn ein Elektroauto hat zwar im Betrieb einen kleineren „ökologischen Fussabdruck“, doch verschlechtert sich in der Regel die CO2-Gesamtbilanz, wenn ein noch fahrtüchtiges konventionelles Fahrzeug verschrottet und durch ein Elektrofahrzeug ersetzt wird. Zudem konterkariert der forcierte Ausbau der Elektromobilität die Bemühungen zum Ersatz der fossilen durch erneuerbare Energieträger. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hat (für Deutschland) errechnet, dass die forcierte Inbetriebsetzung von Elektrofahrzeugen wegen des erhöhten Bedarfs an elektrischer Energie die CO2-Bilanz um über 70 % schlechter aussehen lässt als bei deren Ersatz durch moderne Diesel-Personenwagen. Es ist, als ob jemand eine Kerze an beiden Enden anzündet in der Meinung, bei gleichem Wachs- oder Stearinverbrauch eine doppelte Lichtausbeute zu erzielen.

Läutet dem Verbrennungsmotor das Totenglöckchen?

Anlässlich der Pariser Klimakonferenz von 2015 wurde von den Befürwortern einer stringenten Klimapolitik nahezu einhellig die Auffassung vertreten, dass der Verbrennungsmotor ausgedient habe. Die Zukunft gehöre dem Elektromotor oder dem mit Brennstoffzellen betriebenen Wasserstoffmotor. Da das CO2-Recycling durch Pyrolyse während der gesamten Konferenz bewussst ausgeklammert wurde, fiel es wohl niemand ein, dass der Verbrennungsmotor durch diese Technologie eine zweite Chance erhalten könnte und dass die Zukunft wohl eher dem Mehrstoff- und dem Hybridmotor gehört. Ganz abgesehen davon, dass die Leistungsreserven des Verbrennungsmotos noch nicht ausgeschöpft sind. So gibt es beispielsweise einen neuartigen Kreiskolbenmotor, der die Kraft anders als der Hubkolbenmotor direkt auf die Achse bringt, mit einem Bruchteil der Einzelteile eines Ottomotors auskommt, im Mehrstoff-Modus betrieben werden kann und der auch als „integrierter Hybrid-Motor“ überzeugt. Allerdings wird die Stunde dieses revolutionären Motoren-Konzepts erst kommen, wenn dereinst die politisch gelenkte Motoren-Bastelei der EU an ihre Grenzen gestossen sein wird.