Neuer Impuls für eine Entwicklungs-Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Die Biopyrolyse hilft nicht nur bei der Regeneration der agrarwirtschaftlich genutzten Böden und der Sicherung der terrestrischen Ernährungsbasis, sondern auch bei der Erhaltung und Förderung der zumeist kleinbetrieblichen Landwirtschaft in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Die Biokohle ermöglicht es diesen Betrieben, ihre eigenen biologischen Düngemittel herzustellen, aus ihren Böden mehr herauszuholen, die Ernährungs- und Ertragssituation nachhaltig zu verbessern und vielerorts auch das Hygienewesen auf eine neue Basis zu stellen. Dieser Sekundär- und Tertiärnutzen bleibt auch bestehen für den Fall, dass das Klimaproblem sich als weitaus weniger dramatisch erweisen sollte, als es derzeit vom Weltklimarat dargestellt wird.

Klimaschutz als Ertragsquelle für die Dritte Welt

Da die Schweiz nicht über genügend Biomasse verfügt, mit deren Einsatz sich eine vollständige Kompensation ihrer CO2-Frachten im Lande selbst realisieren lässt, erscheint es sinnvoll, die Biopyrolyse in den Dienst der Entwicklungs-Kooperation mit Ländern der Dritten Welt zu stellen. Zumal sich dadurch nicht nur eine Kooperation auf Augenhöhe verwirklichen lässt (wie dies eigentlich der Terminus der „Entwicklungs-Zusammenarbeit“ suggeriert), sondern zugleich ein wertvoller Beitrag zur Rentabilisierung landwirtschaftlicher Kleinbetriebe in der Ditten Welt geleistet werden kann. Die Schweiz würde dabei die Biopyrolyse-Systeme zur Verfügung stellen, während die damit produzierte Biokohle zum einen Teil zur natürlichen Düngung und Ertragsoptimierung der Areale vor Ort dienen, zum anderen an Dritte verkauft würde. Und die parallel zur Biokohlen-Produktion entstehenden CO2-Realzertifikate würden dazu dienen, die Biopyrolyse-Systeme technisch zu unterhalten und zu amortisieren. Damit könnte der Klimaschutz als potentiell korruptionsfreie Ertragsquelle für die 3. Welt ausgestaltet werden – als eine Option mithin, die für beide Seiten von hohem ideellem und wirtschaftlichem Nutzen sein kann. Und die umso sinnvoller erscheint, als der jüngste Weltagrarbericht für rasche und wirkungsvolle Massnahmen zur Förderung der Produktivität und der Ertragskraft der kleinbäuerlichen Betriebe in der Dritten Welt plädiert.

Biopyrolyse-Kochstellen mit Mehrfachnutzen zur CO2-Kompensation

Für den Einsatz der Biopyrolyse im Rahmen der Entwicklungs-Zusammenarbeit sind verschiedenste Konzepte und Modelle denkbar. Als Beispiel sei hier ein Basis-Konzept skizziert, mit welchem sich gleich drei Probleme in einem „Aufwisch“ lösen lassen: Brennstoff fürs Kochen, Klo-Hygiene und agrarwirtschaftliche Ertragsoptimierung durch effiziente Bio-Düngung. Im Einzelnen: Familien und Wohngemeinschaften in den Dritten Welt erhalten einfache, nach dem Biopyrolyse-System funktionierende Kochstellen. Dadurch können sie auf das Verbrennen spärlich vorhandenen Holzes verzichten und aus Biomasse bzw. aus Biomasse gefertigten Pellets neben Wärme zum Kochen Biokohle gewinnen. Letztere kann in kompatiblen Behältern zunächst zur Klohygiene – einem weiteren grossen Problem in vielen Ländern – und nach entsprechendem Gebrauch als hygienisiertes Bodenverbesserungs- und Düngemittel in die Felder ausgebracht werden. Jede dieser Kochstellen produziert im Jahr ca. 240 kg Biokohle, was auf 10 Jahre hochgerechnet etwa 3000 CO2-Realzertifikaten à ca. 15 Rappen entspricht. Daraus leitet sich eine CO2-Entschädigung von 450 CHF pro Kochstelle ab, womit diese einschliesslich Instruktion finanziert werden können.

Die Schweiz könnte in 12 Jahren CO2-neutral sein, wenn…

Durch die weltweite Proliferation der Biopyrolyse im Rahmen einer neu aufgestellten Entwicklungszusammenarbeit zwischen Industrienationen und Schwellen-bzw. Niedriglohnländern sowie Ländern der 3. Welt können erstere – selbst wenn sie selbst nur über wenig Biomasse verfügen – ohne extreme Drosselung ihrer CO2-Emissionen klimaneutral werden. Dies trifft auch auf die Schweiz zu, die dieses Ziel auf der Grundlage jener Mittel, die sie heute schon unter dem Titel CO2 mit schwacher Performance bereitstellt, innerhalb von ca. 12 Jahren erreichen könnte. Tatsächlich unterstützte die Schweiz die internationalen Klimaschutz-Bestrebungen bereits im Jahre 2014 mit 300 Millionen CHF aus öffentlichen und 100 Mio. CHF aus privaten Quellen. Diese Mittel werden heute nicht etwa für die direkte und nachweisbare Reduktion der CO2-Fracht eingesetzt, wie dies das CO2-Recycling bewirken würde. Sondern sie werden für diffuse Vermeidungs-Strategien eingesetzt, deren unmittelbare Wirkung auf die CO2-Belastung der Atmosphäre nicht nachgewiesen ist. Wenn nun die Schweiz stattdessen Jahr für Jahr rund 400 Millionen CHF in einfache Anlagen zur Produktion von Biokohle investieren würde, so könnte damit innerhalb von 12 Jahren eine Jahresfracht von schätzungsweise 48 Millionen Tonnen CO2 kompensiert werden. Diese 48 Millionen Tonnen entsprechen der Jahresmenge an CO2, welche gegenwärtig von der Schweiz aus in die Atmosphäre verpufft wird.

Mit Hilfe der Biopyrolyse lässt sich auch die Blackout-Gefahr bannen

Die grösste Gefahr, welche derzeit unserem Land und seiner Bevölkerung durch die vom Totalverzicht auf die Kernenergie und die fossilen Energieträger geprägte Politik ausgeht, ist ein über mehrere Tage anhaltender Blackout. Wirtschaft und Gesellschaft sind heute derart stark durch die überall verfügbare elektrische Energie vernetzt, dass die vitalsten gemeinschaftlichen Funktionen innerhalb von Stunden zusammenbrechen, wenn der Strom nicht mehr fliesst. Der frühere Armeechef André Blattmann wurde ausgelacht, als er 2018 auf die Bedeutung des Notvorrats hinwies. Ein Indiz mehr dafür, dass sich entsprechende Szenarien der Vorstellungkraft noch weitgehend entziehen. Was ist zu tun? Eine sichere und weitgehend unzerstörbare Versorgung mit elektrischer Energie kann auf der Basis kleiner Mehrstoff-Verbrennungsmotoren gewährleistet werden, die vor Ort Energieströme aus solarthermischen, photovoltaischen und geothermischen Quellen miteinander verbinden und untereinander so vernetzt sind, dass eine Panne in der Grundversorgung durch Fehlsteuerungen, Naturgewalten, Sabotage oder konfliktbedingte Kollateralschäden jederzeit aufgefangen werden kann. Voraussetzung für diesen hohen Grad dezentraler Versorgungssicherheit bildet die ausreichende Verfügbarkeit klimaneutraler fossiler Energieträger, die wiederum durch das Rezyklieren von Kohlenstoff mittels Biopyrolyse gewährleistet werden kann.

Selbstkritische Frage zum Schluss: Macht das Kohlenstoff-Recycling auch dann Sinn, wenn der Weltklimarat mit seinen Thesen Unrecht haben sollte?

Nachdem in jüngerer Zeit manche Klimaforscher mit ihren Aussagen den Pfad der wissenschaftlichen Tugend verlassen und auf das Minenfeld der Politik hinübergewechselt haben, erscheint es angebracht, auch die in der vorliegenden Publikation erhobenen Forderungen nach einer möglichst umfassenden Proliferation der Biopyrolyse einer selbstkritischen Betrachtung zu unterziehen. Dies, nachdem in jüngerer Zeit manche seriösen und ernstzunehmenden Studien publiziert wurden, die die Aussagen des Weltklimarats über die Ursachen der Erderwärmung in ihrer absoluten Form in Frage stellen. So beispielsweise die Vorausberechnungen der Sonnenzyklen durch Katiashvili (NASA), die eine baldige globale Abkühlung voraussagen. Schon innerhalb der nächsten 6 Jahre könnte erkennbar werden, ob hier wesentliche Abstriche gemacht werden müssen – umso mehr, als eine Forschergruppe um Björn Samset vom Center for International Climate Research errechnet hat, dass selbst eine drastische CO2-Reduktion sich im Klima frühestens 2035 nachweisen liesse. Die selbstkritische Frage lautet demzufolge: Macht ein konsequentes Kohlenstoff-Recycling auch dann Sinn, wenn der Weltklimarat mit seinen Erderwärmungs-Prognosen falsch liegen sollte?

Die Antwort: ein dezidiertes Ja!

Die Antwort auf diese Frage ist ein dezidiertes Ja, und zwar aus den drei folgenden triftigen Gründen: Erstens wird der durch die intensive Nutzung fossiler Energieträger aus dem Lot geratene Kohlenstoff-Kreislauf wieder geschlossen, was keineswegs mit negativen Auswirkungen verbunden sein dürfte, anderseits aber jedes Teil-Risiko eines menschengemachten Einflusses auf die Erdtemperatur ausschliesst. Zweitens wird mit der Gewinnung und der agrarischen Nutzung von Biokohle der dramatische Verlust der Kulturböden an Kohlenstoff rückgängig gemacht, wodurch die Ernährungsgrundlagen der Menschheit auf Generationen hinaus gesichert werden können. Und drittens schliesslich entsteht durch die Biokohle ein neuer Markt für ein faszinierendes Naturprodukt, welches bestehende Ressourcen schont und unzählige umwelttechnisch bedenkliche Produkte und Verfahren durch natürliche ersetzt – ganz abgesehen von den zu erwartenden positiven Auswirkungen auf die Beschäftigung. Alles in allem eine Triple-Win-Situation.