Plädoyer für eine pragmatische, wirtschafts- und sozialverträgliche Lösung der CO2-Frage

I.

Es besteht ganz offensichtlich eine (experimentell nachgewiesene) Korrelation zwischen dem CO2-Gehalt der Atmosphäre und der Erderwärmung. Nachgewiesen ist auch der sogenannte „Treibhaus-Effekt“ – unter anderem dadurch, dass das Einblasen von CO2 in ein Treibhaus ein bis zu 30 % höheres Pflanzenwachstum bewirkt.

II.

Die These, wonach die aktuelle Erderwärmung zu einem wesentlichen Teil auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen sei, ist aufgrund dieses Sachverhalts wie auch der Klimabeobachtung in der seit dem Beginn der Industrialisierung vergangenen Zeit nicht von der Hand zu weisen. Spekulativ sind dagegen Prognosen zum Temperaturanstieg in Relation zur Menge des zusätzlich freigesetzten Kohlenstoffdioxids. Hier wird zum Teil Zahlenakrobatik betrieben, die jeder gesicherten Grundlage entbehrt.

III.

Nicht nur spekulativ, sondern geradezu falsch dürfte die Annahme der europäischen Regierungen sein, wonach die Erderwärmung ausschliesslich auf die Nutzung fossiler Energieträger zurückzuführen sei und wonach eine weitere Erwärmung der Erdatmosphäre durch einen konsequenten Verzicht auf die Nutzung fossiler Brenn- und Treibstoffe gestoppt werden könne. Dies namentlich aus zwei Gründen:

IV.

Erstens, weil die Klimapolitik eine andere auf menschliche Aktivitäten zurückzuführende Quelle bislang noch völlig ignoriert: Durch die intensive agrarwirtschaftliche Nutzung der Böden werden laufend grosse Mengen des in der Erde gespeicherten Kohlenstoffs in der Form von CO2 freigesetzt. Die entsprechende Menge wird auf 30 bis 40 % geschätzt; sie ist aber möglicherweise gar noch grösser als jene, die den fossilen Energieträgern entstammt.

V.

Und zweitens, weil die Natur sich gleichsam selbst des Problems annimmt und auf die Überfrachtung der Atmosphäre mit CO2 durch die Bildung zusätzlicher Biomasse reagiert – genau so, wie dies die Pflanzen im Treibhaus nach dem Einblasen von zusätzlichem Kohlenstoffdioxid tun. Es wird geschätzt, dass die Biomasse des Planeten in den letzten zwei Dezennien um über 10 Prozent zugenommen hat.

VI.

Woraus erhellt, dass die Politik ihre Lösungsansätze und Strategien festzulegen begann, noch ehe das Problem richtig und in seinen wichtigsten Facetten analysiert war. Sonst wäre man wohl zur Erkenntnis gelangt, dass es sich um ein geophysikalisches Problem handelt, welches nicht mit politischen, philosophischen und ökonomischen, sondern primär mit geophysikalisch wirksamen Massnahmen gelöst werden muss.

VII.

Und man hätte bei der vertieften Ursachenforschung weiter feststellen können, dass das Problem dadurch entstand, dass der natürliche Kohlenstoff-Kreislauf unseres Planeten durch die besagten menschlichen Aktivitäten nachhaltig gestört wird. Dies dadurch, dass in der Atmosphäre ein CO2-Überschuss entsteht, der durch die natürliche Photosynthese offensichtlich nicht rasch genug abgebaut wird.

VIII.

Demgegenüber sind die bisherigen Engagements der Signatarstaaten des Pariser Klimaabkommens nicht nur von partieller Ignoranz, sondern auch von totaler Ineffizienz geprägt. So ist der CO2-Ausstoss 2018 nicht etwa gesunken, sondern trotz Unsummen klimapolitisch begründeter Ausgaben weiter gestiegen. Und so hat die Internationale Energie-Agentur IEA in ihrem jüngsten Bericht festgestellt, dass alle Absichtserklärungen der Regierungen nicht ausreichen werden, um die CO2-Emissionen bis 2050 signifikant zu senken – von einer Erreichung der im Abkommen festgeschriebenen Reduktionsziele gar nicht zu sprechen.

IX.

Dies, obwohl für den Abbau von CO2 eine Methode zur Verfügung stünde, die vom Köhlergewerbe seit Jahrhunderten angewendet wird, um aus dem Holz der Wälder Holzkohle zu gewinnen. Diese Methode, fachsprachlich unter dem Terminus Pyrolyse bekannt, wartet nur darauf, in modernisierter Form für die Umwandlung von Biomasse aller Art in wertvolle Biokohle und damit auch für die Erfüllung der Vorgaben des Pariser Klimaabkommens genutzt zu werden.

X.

Biokohle ist ein reines, hochwertiges Naturprodukt, welches für eine Vielzahl von Applikationen in den Bereichen der Agrarwirtschaft, der Viehzucht, der Umwelttechnik, der Bauwirtschaft, der Hygiene und sogar der Medizin wie auch in gewissen High-Tech-Disziplinen genutzt werden kann und damit die Basis für einen neuen, vielversprechenden und entwicklungsfähigen Markt bietet.

XI.

Ihre wichtigste Applikation findet die Biokohle aber zweifellos in der Landwirtschaft, wo sie als Bodenverbesserer und Mineralstoffdünger unschätzbare Dienste leistet: Verdichtete Böden werden dadurch gelockert, zu nasse Böden drainiert und zu trockene Areale mit einem aufnahmefähigen Feuchtigkeitsspender versehen; zugleich werden die im restlichen Pflanzenmaterial gebundenen Mineralstoffe rezykliert. Vor allem aber erhalten die Böden den durch die Bewirtschaftung verloren gehenden Kohlenstoff zurück; die entscheidende Ernährungsgrundlage von Mensch und Tier wird dadurch gesichert.

XII.

Ausser der Biokohle produziert die Biopyrolyse auch Prozesswärme – die unter anderem für die Produktion elektrischer Energie genutzt werden kann – sowie einen Zusatznutzen in der Form einer vollständigen CO2-Neutralisierung: Jedes Kilo Biokohle kompensiert die Nutzung eines Kilos fossiler Brenn- oder Treibstoffe. Damit können CO2-Recyclingzertifikate einer neuen Qualität generiert werden, die nicht auf diffuse Vermeidungsstrategien und auf nicht direkt mit der Reduktion des CO2-Ausstosses verbundene Massnahmen referenzieren, sondern die Rückführung überschüssigen Kohlenstoffs aus der Atmosphäre dokumentieren.

XIII.

Studien der ETHZ und weiterer Institute haben gezeigt, dass unser Planet über ausreichende Mengen ungenutzter Biomasse wie auch über die erforderlichen Aufforstungspotenziale verfügt, um das gesamte durch die Nutzung fossiler Energieträger freigesetzte CO2 mittels biopyrolytischer Prozesse neutralisieren zu können. Das CO2-Problem ist somit allein durch die flächendeckende Applikation adäquater biopyrolytischer Methoden lösbar.

XIV.

Die moderne Form des Kohlenstoff-Recyclings wie auch ihr Nutzen für Natur und Klima wurde 2009 in einer Aufsehen erregenden Studie der Universitäten Newcastle und Edinburgh beschrieben, die unter dem Titel „Biochar, reducing and removing CO2 while improving soils: A significant and sustainable response to climate change" erschien.

XV.

Diese Studie liegt seither in nahezu allen Instituten und Ministerien herum, die sich direkt oder indirekt mit Fragen des Klimawandels und den Möglichkeiten seiner Beeinflussung konfrontiert sehen oder beschäftigen. Sie werden bislang jedoch sowohl von den für das Klimaproblem zuständigen staatlichen Stellen wie auch von der Klimapolitik beharrlich ignoriert.  

XVI.

Die Gründe für diesen irritierenden Sachverhalt liegen auf der Hand: Den Klima-Aktivisten ist eine sachbezogene Lösung des Problems äusserst unwillkommen, zumal sich mit dessen scheinbarer Unlösbarkeit viel Geld verdienen und ausserdem viel politisches Kapital generieren lässt. Umgekehrt würde eine Problemlösung auf technischer Basis sich der politischen Beeinflussung entziehen. Die Klimapolitik könnte dadurch nicht mehr in den Dienst gesellschaftsrelevanter und systemkritischer Zielsetzungen gestellt werden.

XVII.

Folgerichtig sollte diese Frage von politischen Kreisen, die mit dieser Thematik einen pragmatischen Umgang pflegen, der politischen Szenerie entzogen und auf einer parallelen Ebene behandelt werden, die von der Politik lediglich die adäquaten Rahmenbedingungen, nicht aber die Problemlösung per se einfordert. Letzteres würde lediglich dazu führen, dass physikalische und allgemein technische wie organisatorische Gegebenheiten dem freien Ermessen und der Demagogie geopfert und damit wiederum einer faktischen Unlösbarkeit preisgegeben werden.

XVIII.

Die Erfolgsaussichten für ein entsprechendes Engagement erscheinen umso besser, als die Biopyrolyse unter der Voraussetzung ihrer weiteren Finassierung und Effizienzsteigerung zu interessanten kommerziellen Bedingungen betrieben werden kann. Der eigentliche Treibriemen für die Proliferation der Technologie ist dabei die CO2-Abgabe, die sich nach groben Schätzungen auf einem Niveau von 10 bis 15 Cent pro Liter fossiler Brenn- und Treibstoffe einpendeln und damit die essentiellen Kriterien der Wirtschafts- und der Sozialverträglichkeit erfüllen dürfte.

XIX.

Konkret bedeutet dies, dass für die Umsetzung des hier skizzierten Projekts unter Führung oder Mitwirkung pragmatisch orientierter und gut vernetzter Politiker eine Entität – vorzugsweise in der Rechtsform einer Genossenschaft – zu gründen ist, die die Leitung des Projekts übernimmt, den operativen Teil an eine professionell agierende Management-Gesellschaft abgibt und parallel dazu mehrere regionale NGOs mit möglichst breiter Mitgliederbasis aufbaut. Von demokratisch legitimierten Entitäten mithin, die ihren Mitgliedern sichere (Vorsorge-)Anlagen im Bereich des Klima-Managements und interessante Benefits durch den Erwerb von CO2-Zertifikaten zu Vorzugskonditionen bieten. Die Initialzündung dazu soll von der „Genossenschaft zur Förderung der Kohlenstoff-Bewirtschaftung und des CO2-Recyclings, KOBEREC“ ausgehen, die sich derzeit in Gründung befindet.